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Der Diktator und sein Präsidentschaftskandidat

Der Diktator und sein Präsidentschaftskandidat

Manchmal ist man versucht zu glauben, dass nur die deutschen Politiker – allen voran der Ex-Bundespräsident Wulff – ihre Ideale auf dem Weg zur Macht aus praktischen Gründen ablegten. Doch dann platzt ganz unvermittelt die Nachricht ins heimische Wohnzimmer, dass der französische Präsident, von dem Diktator, dessen Truppen er einige Jahre später niederbomben ließ, stolze 50 Millionen Euro für seinen Wahlkampf im Jahre 2007 erhalten haben soll. Die Rede ist von Nicolas Sarkozy und Muammar al-Gaddafi. Während sich ersterer bester Gesundheit erfreut, hat es Gaddafi erwischt. Eine Kugel zwischen die Augen machte dem Tyrannen den Garaus und die Politik – auch die französische – äußerte sich zufrieden über seinen Tod.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, soll betont werden, dass es hier nicht darum geht, Herrn Gaddafi eine Träne nachzuweinen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie ein Präsidentschaftskandidat Frankreichs ausgerechnet von dem Regime Wahlkampfhilfe in Anspruch nehmen konnte, welches auch zu dieser Zeit schon weltweit geächtet war? Und wenn Gaddafi und seine Gehilfen wie der Geheimdienstchef Mussa Kussa diese Hilfe zahlten, was erwarteten sie im Gegenzug von Sarkozy? Wahrscheinlich freute sich Sarkozy über die unerwartete Möglichkeit, unangenehme Zeitzeugen auszuschalten und sendete deshalb vor allen anderen seine Bomberstaffeln zum Einsatz.

Den Beobachtern dieser und anderer Szenarien wird klar, dass Verkommenheit, Anstandslosigkeit sowie fehlende Ethik und Moral keine Attribute allein der deutschen Politiker sind, sondern dass auch über Ländergrenzen hinaus ein ähnlicher Verfall herkömmlicher Werte und Normen bei den Machtbesessenen zu beobachten ist. Es drängt sich sogar der Verdacht auf, dass sich Politiker in der ganzen Welt von ihren Völkern, deren Vertreter sie eigentlich sein sollten, ebenso weit entfernt haben wie von fundamentalen Tugenden wie Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Zuverlässigkeit.

Umso bemerkenswerter ist, wie das Wahlvieh all diese kleinen und großen Skandale wegsteckt und schon nach kurzer Zeit den gleichen Politikern, die Lügen und Betrügen und alles für ihren Machterhalt tun, wieder ihre Stimme leihen, statt sie endlich zum Teufel zu jagen. Es würde nicht überraschen, wenn Sarkozy trotz aller Enthüllungen bei der Stichwahl doch noch die Nase vorn hat…

Bild von א (Aleph), http://commons.wikimedia.org

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