Die FDP – eine Partei im Todeskampf
Wer sich die Entwicklung der FDP in den letzten Jahren anschaut, sieht ein trauriges Bild einer ehemals stolzen liberalen Partei. Guido Westerwelle als langjähriger Parteivorsitzender hatte hochfliegende Ziele, als er mit seinem Guido-Mobil durch Deutschland tourte und bei den Bundestagswahlen 2002 stolze 18 Prozent einfahren wollte. Dies gelang nicht, doch immerhin erhielt die Partei noch im Jahre 2009 bei den Bundestagswahlen 14,6 Prozent aller Stimmen und erzielte damit ihr bestes Ergebnis aller Zeiten bei einer Bundestagswahl. Doch was ist in den vergangenen drei Jahren passiert, dass die FDP bei aktuellen Umfragen zwischen zwei und vier Prozent herumdümpelt und mit dem Tode ringt?
Das größte Problem der Partei scheint zu sein, dass es an charismatischen Köpfen mangelt. Man mag mit einem Hans-Dietrich Genscher, Otto Graf Lambsdorff oder Jürgen Möllemann einer Meinung gewesen sein oder auch nicht, aber Charisma hatte ein jeder von ihnen. Streitbar, angriffslustig und berechnend, Eigenschaften von denen sich Wähler gern beeindrucken lassen. Sieht man sich die blassgesichtige Generation nach den Gründern wie Wolfgang Gerhardt, Guido Westerwelle oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger an, so konnten diese der FDP nur noch mäßig ein Profil geben. Doch was nun an der Spitze der Partei sein Unwesen treibt, ist nicht nur blassgesichtig, sondern auch arrogant und ideenlos.
Allen voran der FDP-Parteivorsitzende Rösler, der sich mit nichtssagenden Figuren wie Daniel Bahr, Patrick Döring oder Holger Zastrow umgibt. Einzig Rainer Brüderle hält die Fahne der Altvorderen der FDP inmitten dieses Zirkels hochnäsiger Schnösel hoch, die Parteikarriere gemacht haben und über die Köpfe des Wahlvolkes hinwegreden. Doch der allein reicht eben nicht, wenn die Wähler sonst nur Köpfe mit der FDP in Verbindung bringen, die durch unqualifizierte Aussagen zu verschiedensten Themen bekannt geworden sind. Die Quittung folgte auf den Fuß, denn die Partei verlor über 5.000 Mitglieder allein in den letzten Monaten und die Wählerschaft wendet sich ab.
Natürlich lässt sich der Niedergang der Partei nicht allein auf Personen reduzieren, doch diese tragen die Verantwortung dafür, dass die FDP ohne schlüssiges Parteiprogramm dasteht und die Werte einer liberaldemokratischen Partei aus den Augen verloren hat. Die Menschen finden sich in dieser Partei momentan einfach nicht wieder und es bleibt zu befürchten, dass die maßlos ignorante Parteispitze diese Tatsache einfach nicht zur Kenntnis nimmt. Stattdessen werden andere Schuldige gesucht, wie das Beispiel Kramp-Karrenbauer zeigt. Nachdem die Landesregierung im Saarland die Koalition beendete, wurde prompt die CDU beschuldigt, dass sie die FDP beschädigen wolle.
Die Fähigkeit sich selbst zu reflektieren scheint jedenfalls nicht die Stärke der Führungsverantwortlichen der FDP zu sein, denn sonst würden sie vielleicht erkennen, dass sie ihre Partei offen und ehrlich neu ausrichten müssten. Nicht über die Köpfe des Wahlvolkes hinweg, sondern mit ihm gemeinsam und in seinem Interesse, so müsste die Devise lauten. Einen Hoffnungsschimmer gibt es in der Person von Christian Linder, der nun in Nordrhein-Westfalen als Spitzenkandidat ins Rennen geht. Ob er allerdings das Ruder herumreißen kann, bleibt abzuwarten, hat er sich doch in der Schlecker-Frage auch schon ordentlich in die Nesseln gesetzt. Immerhin könnte er eine neue Identifikationsfigur für die sterbende Partei werden und sie nochmals reanimieren. Dass Deutschland eine liberale Partei braucht, steht außer Frage, doch ob sie FDP heißt, ist mehr als fraglich.
Bildquelle: Arne List (Flickr CC BY-SA 2.0)
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